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Weißrussische Sprache
Das Weißrussische (neuere Bezeichnung Belarussisch, veraltet Weißruthenisch) wird von ca. 7,9 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Von diesen lebt eine Minderheit in Polen bei Białystok, die Mehrheit jedoch in Weißrussland, wo es eine der beiden Amtssprachen ist (die andere ist das Russische).
Ursprung
Das Weißrussische ist zusammen mit dem Russischen und dem Ukrainischen eine der drei ostslawischen Sprachen, die sich im Mittelalter aus einer gemeinsamen Vorgängersprache entwickelt haben. Diese wird oft als "Altrussisch" bezeichnet, was aber irreführend ist, weil es eine Priorität des Russischen suggeriert - vorzuziehen ist der Ausdruck "Altostslawisch".
Im Großfürstentum Litauen
Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich am Hof des litauischen Großfürsten in Vilnius eine eigene auf dem Weißrussischen basierende Kanzleisprache, die von der moskowitischen leicht abwich und die offizielle Verkehrssprache des Großfürstentums Litauen war.
Mit der Ausdehnung des Großfürstentums Litauen auf den gesamten Westen der ehemaligen Kiewer Rus nahm sie auch ukrainische Elemente auf. Nach der litauischen Personalunion mit Polen geriet sie unter sehr starkem Einfluss des Polnischen. (Ausführlicher hierzu siehe Ruthenische Sprache.) Nach der Zerschlagung des polnisch-litauischen Staates (1795) kam diese Schriftsprache immer mehr außer Gebrauch.
Zwar entstanden schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten literarischen Werke in einer neuen weißrussischen Schriftsprache, die sich auf die nordöstlichen Dialekte des Weißrussischen stützte (als erstes gilt eine zwischen 1812 und 1830 entstandene anonyme Übersetzung der Aeneis, Eneida navyvarat "Aeneis umgedreht").
20 Jh.
Erst nach der Revolution von 1905 konnten legal Bücher und Zeitungen gedruckt werden. Von 1903-1911 erschien in Warschau das wichtige Werk Belorussy. Jazyk belorusskowo naroda ("Belorussy. Jazyk belorusskowo naroda") von Jauchim Karski, in dem die Schriftsprache kodifiziert wurde. Eine wichtige Rolle spielt in dieser Zeit ferner die ab 1906 erscheinende Zeitschrift Nascha niwa ("Unsere Flur").
1917 scheiterte der erste Versuch, einen eigenen weißrussischen Staat zu gründen, danach lebten die meisten Weißrussen in der Sowjetrepublik Weißrussland, ein kleinerer Teil in Polen. In der Sowjetunion konnte sich das Weißrussische bis Ende der 1920er Jahre frei entfalten, danach geriet es wieder unter deutlichen Druck des Russischen. 1933 wurde durch eine Orthografiereform die Annäherung an das Russische erzwungen, auch Wortschatz und Grammatik standen seitdem unter russischen Einfluss. Das gleiche Schicksal ereilte das Weißrussische in den polnischen Gebieten, die 1939 an die Sowjetunion angeschlossen wurden.
Erst unter der Perestroika kam es zu einer Wiederbelebung der weißrussischen Schriftsprache, die im Januar 1990 zur Staatssprache der Sowjetrepublik Weißrussland erklärt wurde. Es gab nun auch Bestrebungen, die 1933 abgeschaffte traditionelle Orthografie (bekannt unter dem Namen тарашкевіца/Taraschkjewiza) wiedereinzuführen, seit dieser Zeit konkurrieren faktisch zwei Systeme, nämlich die Taraschkjewiza (von Emigranten und aktiven Weißrussischsprechern bevorzugt) und die sowjetische Narkomauka (наркомаўка, bis heute immer noch offizieller Standard).
Der gegenwärtige Stand ist der, dass die weißrussische Schriftsprache nur von einer kleinen intellektuellen Schicht in den Städten gesprochen wird. Auf dem Land sind weißrussische Dialekte verbreitet, der größte Teil der Stadtbevölkerung spricht eine Übergangsform zwischen dem Weißrussischen und dem Russischen, die abwertend als "Trasjanka" ("Viehfutter") bezeichnet wird. Im Bildungssystem ist das Weißrussische nur schwach verankert, im Sommer 2003 wurde gegen starken Widerstand der Schüler und Lehrer das einzige Gymnasium mit weißrussischer Unterrichtssprache geschlossen. Nach Einführung des Weißrussischen als einziger Amtssprache mit der Unabhängigkeit erfolgte einen kurze Blüte, "Wiedergeburt" (weißrussisch: Adradschenne) genannt, die aber durch die Einführung des Russischen als weiterer Amtssprache durch Präsident Lukaschenka im Jahre 1994/95 wieder endete. Die Zukunftsprognose ist eher düster, viele Weißrussen befürchten, dass ein völliges Aufgehen des Weißrussischen im Russischen fast nicht mehr zu verhindern ist.
Zudem hat sich mit einer Bewegung, die das Westpolessische zu einer eigenen Sprache ausbauen will, eine weitere Zersplitterung ergeben.
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