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Griechische Sprache
Die griechische Sprache ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt.
Griechisch hat eine Schrifttradition von 3400 Jahren. Mit Ausnahme der chinesischen Sprache ist keine andere lebende Sprache über eine so lange Zeit schriftlich überliefert. Die Bedeutung der griechischen Sprache ist nicht zu unterschätzen. Die westliche Kultur wurde maßgeblich von der Kultur des antiken Griechenlands geprägt. Einige der wichtigsten Werke der Weltgeschichte, wie die Schriften von Platon und Aristoteles oder das Neue Testament, wurden auf Altgriechisch verfasst. Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern haben als Fremdwörter Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Sprachverwandschaft
Die griechische Sprache gehört zur Familie der indogermanischen Sprachen. Das Griechische wird dabei als eigener Zweig dieser Sprachfamilie klassifiziert, es scheint keine näheren Verwandten besessen zu haben. Höchstens zur antiken makedonischen Sprache könnte eine nähere Verwandtschaft bestanden haben. Die Einordnung des Makedonischen ist aber aufgrund der spärlichen Überlieferung höchst unsicher, eventuell handelte es sich dabei auch um einen griechischen Dialekt.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen scheinen sich der griechische und armenische Zweig nahezustehen. Bestehende Hypothesen konnten 2003 durch Untersuchungen mit mathematischen Methoden bestätigt werden.
Ursprünge
Als Mitglied der indogermanischen Sprachfamilie stammt das Griechische von der indogermanischen Ursprache ab. Man geht davon aus, dass sich die Ursprache im 3. Jahrtausend v. Chr. in die Einzelsprachen aufteilte. Die griechischen Stämme drangen wohl in mehreren Wellen um 2000 v. Chr. nach Griechenland ein. Dort trafen sie auf eine kulturell höher stehende Urbevölkerung, die man als Pelasger bezeichnet. Die Sprache der Pelasger ist unbekannt, aber es kann als Substrat im Griechischen nachgewiesen werden. Dazu gehören Lehnwörter wie θάλασσα thalassa („Meer“) und νῆσος nēsos („Insel“) sowie zahlreiche Ortsnamen wie Κόρινθος (Korinth) und Παρνασσός (Parnass). Die pelasgische Sprache (oder Sprachen) war wohl nicht indogermanisch, über einen Zusammenhang mit der minoischen Sprache Kretas wird spekuliert. Das Griechische wurde auch durch eine unbekannte indogermanische Sprache, die eventuell dem ausgestorbenen Illyrischen nahe stand, beeinflusst.
Mykenische Zeit
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B verloren. Die Kyprische Silbenschrift auf Zypern blieb jedoch bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch.
Klassische Zeit
Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v. Chr., übernahmen die Griechen das phönizische Schriftsystem und wandelten es durch die Einführung von Vokalzeichen ab. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Äolische und das Arkadisch-Kyprische.
Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Hellenistische Zeit
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg.
Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Unter dem Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte erfolgten gegenüber dem Attischen einige Vereinfachungen in der Grammatik und dem Lautbestand. Dies führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch (Attizismus).
Byzanz
Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches. Die letzten bedeutenden Werke in altgriechischer Sprache (Prokopios, Agathias) entstanden im 6. Jahrhundert. Ostrom wurde nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich; wenig später, im Zuge der arabischen Expansion, versiegte die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch. Die alltägliche Sprache des byzantinischen Reiches wies da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache (fortan wurden viele Vokale einfach als „i“ ausgesprochen) auf. Meist wird angenommen, dass sich spätestens um 700 die Aussprache der Umgangssprache sehr stark an die des heutigen Griechisch angenähert hatte - gerade in Hinblick auf die Vokale und Diphthonge. Seither kann Altgriechisch als „tote Sprache“ gelten.
In Syrien und Ägypten blieb Griechisch nach der arabischen Eroberung zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verlor.
Neuzeit
Die Haltung des Osmanischen Reichs zur griechischen Sprache war ambivalent: einerseits war Schulunterricht in griechicher Sprache verboten, auf der anderen Seite kamen viele Griechen gerade wegen ihrer Sprachkenntnisse in den Staatsdienst. Die erste Zeitung in Istanbul war auf Griechisch. Die Benutzung der Sprache war jedem freigestellt, eine offene Repression fand nicht statt. Der Verlust des Status als Unterrichts- und damit Schriftsprache konnte allerdings auch durch geheimen Unterricht orthodoxer Priester nicht kompensiert werden, so dass das Griechische in Folge erneut einem Wandel unterworfen war, vor allem geprägt von der Tendenz zur Vereinfachung der klassischen, komplexen grammatischen Struktur.
Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine künstlich geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Wörter in die Dimotikí übernommen worden. Nur die orthodoxe Kirche und manche erzkonservativen Kreise halten für den schriftlichen Gebrauch noch an der Katharévousa fest.
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