Übersetzung aus dem/ins Bulgarisch

Bulgarische Sprache

Die bulgarische Sprache (Bulgarisch: Български език/Bălgarski esik) gehört zur südslawischen Gruppe des slawischen Zweiges der indogermanischen Sprachen.

Verbreitung:

Sie wird von ca. 9 Millionen Menschen gesprochen:

  •  vor allem in Bulgarien (ca. 7,3 Millionen),
  • aber auch in anderen Staaten Osteuropas,
  • in Griechenland (1970: 20 000),
  • Rumänien (1970: 13 000), Mazedonien,
  • Moldawien (2005: 40 000),
  • Serbien (20 000),
  • Weißrussland
  • und in der Türkei.

Geschichte:

Altbulgarische Periode (9.–11. Jh.)
Die Periode der altbulgarischen Sprache umfasst die Zeit zwischen der Übernahme der slawischen Sprache als offizielle Sprache im Ersten Bulgarischen Reich und dessen Fall 1018 unter byzantinische Herrschaft. Einige Linguisten sehen jedoch den Anfang der Periode mit der Erschaffung des ersten slawischen Alphabets, der Glagoliza im Jahre 862 durch Kyrill Philosoph. In diese Periode des Goldenen Zeitalters der bulgarischen Kultur fällt auch die Entstehung des kyrillischen Alphabets am Hofe der bulgarischen Zaren in Preslaw. Ein weiteres Zentrum bildete Ohrid, das sich zu jener Zeit im westlichen Teil des bulgarischen Reiches befand und einen Großteil der altbulgarischen Literatur hervorbrachte. Wegen der Verbreitung der altbulgarischen Sprache und Kultur auf die anderen slawischen Völker spricht man von dem „Ersten Südslawischen Einfluss“ und von der „altkirchenslawischen“ Sprache.

Mittelbulgarische Periode (12.–14. Jh.)
Die Periode der mittelbulgarischen Sprache umfasst die Zeit zwischen der Restaurierung des bulgarischen Reiches bis zu dessen Unterwerfung durch die osmanischen Türken. Die Sprache mit den durch die Tarnower Schule in der Orthographie von Tarnowo festgelegten grammatischen Regeln wurde zur Grundlage der weiteren sprachlichen Entwicklung in den Gebieten der heutigen Staaten Rumänien, Moldau und Serbien, Ukraine und Russland, so dass man von einem „Zweiten Südslawischen Einfluss“ auf diese Länder spricht. Die Sprache des Zweiten Bulgarischen Reichs wird auch heute immer noch in den slawischen orthodoxen Kirchen als Liturgiesprache genutzt, weswegen sie auch Kirchenslawisch genannt wird.

Vom Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert wurde Bulgarisch von den walachischen Fürsten als Kanzleisprache verwendet.

Neubulgarische Periode (seit dem 15. Jh.)
Die Neubulgarische Epoche wird zunächst durch die sogenannten Damaskini des 17. und 18. Jahrhunderts belegt. Dabei handelte es sich primär um die übersetzten griechischen Predigten des Damaskenos Studites, die mehrfach in das Bulgarische übertragen wurden und in denen sich auch die wichtigsten Merkmale fast aller neubulgarischen Mundarten wiederfinden.

Während der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt eingetretene Veränderungen in der Entwicklung der bulgarischen Kultur und des Bildungswesens begründeten die Notwendigkeit einer weltlichen Bildung sowie einer in der Volkssprache geschriebenen Literatur. Obwohl die Anfänge der bulgarischen Wiedergeburt in Makedonien liegen, spielten die Ostbulgaren bei der Herausbildung der Standardsprache eine führende Rolle.

Durch eine reichhaltige Publikationstätigkeit in den ostbulgarischen Dialekten kam es nach anfänglichem Überwiegen westbulgarischer Mundarten zur allmählichen Dominanz der Ersteren, die durch die Herkunft der Publizisten bedingt war. So betrachtete Wasil Aprilow, einer der größten Förderer des Schul- und Kirchenwesens, wie Petar Beron und Najden Gerow bei der Herausbildung der neubulgarischen Sprache die ostbulgarischen Dialekte als Grundlage der Bildung einer einheitlichen Schriftsprache. Die Nähe dieser Dialekte zum Russischen ebnete den kulturellen Einfluss Russlands auf die Bulgaren. Einen weiteren Schritt in diese Richtung stellt das erste bulgarische Schulbuch dar: Die Fibel mit unterschiedlichen Belehrungen, die in den für die Heimatstadt des Autors typischen ostbulgarischen Dialekten geschrieben wurde, wurde von Petar Beron 1824 in Kronstadt publiziert.

Ihnen gegenüber standen andere Förderer, wie die Brüder Miladinowi aus Struga. Ihr Werk Bulgarische Volkslieder erschien 1861 in Zagreb und basierte auf den westbulgarischen Dialekten. Auch der Gelehrte Neofit Rilski verwendete zunächst die westbulgarischen Dialekte, versuchte jedoch in seiner Grammatik (1835), die ost- und westbulgarischen Dialekte zu vereinen. Josif Kowatschew setzte sich für den zentralbulgarischen Dialekt ein, der als Bindeglied fungieren sollte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann dennoch das Westbulgarische einen stärkeren Einfluss auf die Sprache.

Das Bulgarische darf nicht mit dem Protobulgarischen verwechselt werden, das eine Turksprache (nach anderen Theorien eine nordostiranische Sprache) war. Heute existieren jedoch immer noch einige Wörter in der neubulgarischen Sprache, die der protobulgarischen entstammen, wie z. B. Тояга/Tojaga (Stock) oder Баща/Baschta (Vater). Außerdem gibt es einige wenige Wörter, die dem thrakischen Substrat entstammen wie katerja se (klettern) von thrakisch katerdass und kacna, kacvam (sich niederlassen).


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